Aus mittellosen, talentierten Jugendlichen werden Unternehmer

miðvikudagur, 11. nóvember 2020

Dr. med. Andrea Degen Iseli (+41 79 695 4456).

Was bleibt den cleveren Kindern und Jugendliche in Entwicklungsländern übrige, wo es keine Lehrstellen gibt und der Zugang zur Universität sie zu viel kostet? Das Schicksal selber an die Hand nehmen und UnternehmerIn werden! Talentierte und willige Jugendliche zu Jungunternehmern heranzubilden, das ist das Ziel einer Entrepreneurship Academy. Dies an Orten, wo auch diese Art von Ausbildung bisher nicht existierte, und möglichst mit langfristigem Nutzen.

 

Unser RC Limmattal kooperierte für die Organisation der ersten Entrepreneurship Academy in Tansania mit der internationalen Entwicklungsorganisation www.Aiducation.org. Sie verfügt über einen Lehrgang (entwickelt mit SwissRe), der sich in Kenya bereits bewährte hat und organisierte hauptamtlich. Die Wahl des Durchführungsortes fiel auf Tansania/Arusha, weil wir dort an der St. Jude High School die hervorragende Infrastruktur nutzen konnten und Schüler aus armen Verhältnissen mit guter Grundlagenbildung vorhanden waren. Die St. Jude High School bietet seit einigen Jahren Primar- und Sekundarschulausbildung. Sie wurde von einer sehr engagierten Person, Gemma Sissia, einer Biochemikerin aus Australien, gegründet. Zahlreiche Rotary Clubs aus Australien leisteten seit 2002 finanzielle und „hands-on“ Hilfe für eine gute Grundausbildung der Schüler. Mehr über St. Jude https://www.youtube.com/watch?v=pYZqkTPmXQE . Es gelang unserem Rotary Club, den Rotary District Grant als Zusatzfinanzierung für die Entrepreneurship Academy, im Mai 2019 einzuwerben. Bereits im Dezember 2019 wurde die Entrepreneurship Academy durchgeführt. Ein Glück, denn unter den Corona-Bedingungen wäre dies aktuell kaum mehr möglich. 

 

Hier die fünf konkreten Business-Cases, an denen im vergangenen Dezember 2019 die ca. 50 Jugendlichen in Arusha/Tansania in der Rotary Limmattal Entrepreneurship Academy arbeiteten: 

 

  • Mit künstlicher Intelligenz Pflanzenkrankheiten erkennen und richtig behandeln (Business case 1: HORTUS AI). 

 

  • Mit einer App für mehr Gesundheitskompetenz und Zugang zu ärztlicher Hilfe die Kinder- und Müttersterblichkeit rund um die Geburt herabsetzen (Business case 2: SMAC Safe Mother & Child). 

 

  • Schweinefleisch und Wurstwaren in artgerechter Tierhaltung für Gastrobetriebe vor Ort produzieren (Business case 3: PORC.POINT).

 

  • Eine Gemeindestruktur als « circular Economy Community » konzipieren und Anreizen für Investition in Bildung konzipieren ((Business case 4: TENEBO = Suaheli GEMEINSAM). 

 

  • Mit besten Rezepten von Fruchtsäften, zur vitaminreichen Ernährung von Studenten auf dem Campus beitragen und sich dabei das Studiengeld verdienen (Business case 5: EXTRA FRUITY BOOTH). 

 

Drei Business Coaches kamen über den RC Limmattal auf eigene Kosten aus Europa mit. Vor Ort wirkten vom RC Mount Meru und dem RC Clock Tower (District 9211) weitere Unternehmer als Trainers und Coaches mit. Die Anforderungen an die Trainers waren klar formuliert und durch Aiducation rekrutiert. 40% der Trainers und Coaches waren Frauen. Zudem zwei bewährte afrikanische Jungunternehmer aus Kenya, die über Stipendien von Aiducation vormals ausgebildet wurde. 

 

Die teilnehmenden Jugendlichen - je 50% weiblich und männlich - stammten ausnahmslos aus mittellosen Familien. Sie haben dank St. Jude einer höheren Schulbildung erhalten und sprechen fliessend Englisch. Sie wurde im Vorfeld sorgfältig ausgewählt. Sie mussten z.B. mit Ideen für eine eigene Unternehmung aufwarten. Ihnen wurde für diese Woche kostenlose Unterkunft im Schlafsaal der Schule gewährt. Zwei Mal täglich wurden sie mit Ugali, dem traditionellen Maisbrei, verköstigt. Jeden Tag wurde acht Stunden unterrichtet. Einige Computer und Stromzugang wurden frei zur Verfügung gestellt. Auch spät nachts sassen die Schüler an ihren Business Projekten, zeichneten Logos, rechneten am Finanzplan oder diskutierten rund um die Rollenverteilung und die Aufgaben in ihrem Team. Alle Gruppen traten am letzten Tag zur Präsentation („Pitches“) ihres Geschäfts an. Bewertet wurde auch der gesellschaftliche Nutzen (Impact). Der Gewinner war HortusAI. Für den grössten Impact wurde SMAC (Safe Mother And Child) ausgezeichnet. Leider existiert momentan noch kein StartUp-Grant. Ein solcher Anreiz, das Business dann auch wirklich umzusetzen, ist jedoch in naher Zukunft vorgesehen. Das Expertengremium bestand aus sechs der Trainers, drei Europäern und drei aus Afrika.  

Jeder Schüler hatte im Verlauf der Woche mehrere Coaching-Stunden mit einem der Trainers. Unternehmerische und Karrierethemen standen im Vordergrund. Aber auch ganz pragmatische persönliche oder gesundheitliche Probleme wurden von den Jugendlichen angesprochen. Um zu viel Nähe oder gar Übergriffe zu vermeiden zeichneten alle Beteiligten einen „Code of Conduct“.

 

Knapp ein Jahr später sind weitere Ergebnisse dieser Arbeitswoche zu vermelden. 1. Die Entrepreneurschip Academies werden an der St. Jude School nach gleichem Konzept weiter geführt. Obwohl, durch die Corona Geschichte mit etwas Verzögerung.  2. Zwei Absolventen unserer Academy hatten den Ideenwettbewerb für Jungwissenschafter in Tansania gewonnen. Sie bauen trotzt Corona erfolgreich an ihrem ersten Geschäft namens CutOff.Recycle. Seit der Academy sammeln die beiden mit einem erweiterten Team von sechs weiteren Jugendlichen täglich Haarabfälle von Coiffeur-Salons in und um Arusha. Sie zersetzen die Haare chemisch in ihre mineralischen Bestandteile und produzieren Düngemittel, Unkrautvertilger und Festkörperstoffe für den Hausbau. Hilfskräfte sammeln die Haare und organisieren die Logistik. Das qualifiziertes Personal arbeitet in der Produktion und im Management und bildet sich laufend über das Projekt autodidaktisch weiter. Wir coachen sie bei Bedarf auf Distanz und trotzt sehr schlechter Internet-Verbindung weiter. Die Jugendlichen haben durch das professionellere Auftreten und neue Branding eine Stiftungsfinanzierung von Mastercard für ihre StartUp eingeworben. CutOff.Recycle arbeitet mit dem Slogan « We make hair rubbish flourish ». 

Über weitere Auswirkungen der ersten Rotary Entrepreneurship Academy vom 2019 in Tansania werden wir hier in den nächsten Monaten noch mehr berichten. Aiducation hat eine Platform geschaffen, die Global Sound Leaders Alliance https://gyla.net über die die Jugendlichen im Nachgang weiter gecoacht werden können. Es ist denkbar, dass weitere RCs das Konzept übernehmen und Rotarier „hands-on“ die Jugendlichen in Entwicklungsländern beim Geschäftsaufbau unterstützen.    

 

Das Fazit unseres internationalen Projektes bisher: Diese Pionieraktion mit UnternehmerInnen aus dem Rotary Kreis Jungunternehmer in Entwicklungsgebieten heran zu bilden, fällt auf fruchtbaren Boden. Die HandsOn Arbeit erfordert die unternehmerische Grundkenntnis, ein höchstes Mass an Flexibilität und Einfühlungsvermögen in die Jugendlichen. Vor Ort ist der Resonanz durchwegs positiv. Die Business-Kompetenzen konnte signifikant erweitert werden. 85% waren nach dieser Woche motiviert, eine eigene Organisation aufzubauen. Alle Trainers/Mentoren halten es für sehr wahrscheinlich, dass sie wieder an einer Entrepreneurship Academy teilnehmen werden. Und sie würden die Teilnahme an einer Academy anderen Unternehmerkollegen empfehlen. Gemeinsam mit anderen RCs zu unterrichten, im Sinne des 2018/19 Mottos „Doing good in the world“ und „Rotary connects the world“, ist ein unvergessliches Erlebnis, die Erfüllung der Rotary Idee schlechthin und macht Spass. Die Entrepreneurship Academy hat das Potenzial einer neuen internationalen « Hands on » Leistung von Rotary mit Mehrwert für alle Beteiligten. 

 

Rotary Clubs, die mehr über das Rotary Entrepreneur Academy Konzept zusammen mit www.Aiducation.org zu erfahren möchten, melden sich bei der Delegierten für internationale Projekte unseres Clubs, RC Dr. med. Andrea Degen Iseli (+41 79 695 4456). Sie berichtet gerne an einem RC Lunch oder auch online über das Projekt.